Berliner Fussballclub muss nach massiven Attacken durch Frankfurter Neonazis die Stadt verlassen

Offener Brief an die Veranstalter_innen des 2. Krombacher-Hallenturnies am 27.12.2011, den FC Union Frankfurt (Oder) e.V., die Polizeidirektion Ost, den FFC Viktoria 91 e.V. sowie den Oberbürgermeister Martin Wilke

Das 2. Krombacher-Hallenturnier in der Brandenburghalle war für die Fans des FFC Viktoria ’91 e.V. eine willkommene Gelegenheit, sich als rechte Hooligans zu positionieren. Beim Turnier am vergangenen Dienstag sahen sich die traditionell als linksalternativ verstehenden Fans des Berliner Vereins Tennis Borussia Berlin II verbalen und tätlichen Angriffen ausgesetzt. Die rund 50 Frankfurter Neonazis beschimpften die Berliner Fans mit rassistischen und antisemitischen Pöbeleien und drohten ihnen Gewalt an (Bericht der Fans des Tennis Borussia Berlin auf http://www.lila-kanal.de/journal/?p=2785).

Als sich der Berliner Verein und seine Anhänger aufgrund der Drohungen zum vorzeitigen Verlassen des Turniers gezwungen sahen und ihnen eine schnelle Flucht durch die rechten Fans versperrt wurde, kam es zu weiteren Übergriffen. Der Vereinsbus, das Team und die extra angereisten Fans wurden vor der Brandenburghalle von den rechten Frans des FFC Viktoria ’91 e.V. mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Zum Glück wurde bei dem Angriff niemand verletzt. Von der Polizei eskortiert, konnte das Berliner Team Frankfurt verlassen.

Die Polizei verhielt sich überwiegend passiv; sie reagierte mit über einer Stunde Verspätung auf die von den Berliner Fans abgesetzten Notrufe und war vor Ort unterbesetzt. Hinzu kommt, dass die Hinweise des Tennis Borussia Berlin im Vorfeld des Turniers auf das Gewaltpotential der rechten Frankfurter Fans anscheinend gekonnt ignoriert wurden, denn nur so lässt sich das Verhalten der Polizei und des Veranstalters erklären. Letzterer ließ trotz der Ereignisse in und vor der Brandenburghalle das Turnier weiterlaufen.

Das Verhalten der Neonazis aus dem Umfeld des FFC Victoria zeigt einmal mehr, dass sie ein Gefahrenpotential darstellen. In der Vergangenheit waren sie wieder verstärkt negativ in Erscheinung getreten, etwa am 12. November beim Landespokalspiel des FFC Viktoria gegen den SV Babelsberg 03.

Es stellt sich die Frage ob und welche Konsequenzen das Verhalten der Fans des FFC Viktoria ’91 e.V. haben wird. Aus Sicht des Vereins Utopia e.V. müssen Polizei, Veranstalter und Stadtführung klare Konsequenzen aus ihrem Handeln ziehen.

Der Verein Utopia bittet daher um die Beantwortung folgender Fragen:

Sehr geehrte Veranstalter_innen, sehr geehrte Damen und Herren des FC Union Frankfurt (Oder) e.V.,
Sie waren am 27.12.2011 Ausrichter bzw. Veranstalter des Hallenturniers.
- War Ihnen aufgrund vergangener Erfahrungen bewusst, dass Neonazis, welche in der Vergangenheit schön öfter in Zusammenhang mit Spielen des FFC Viktoria 91 e.V. negativ auffielen, zu Ihrem Turnier kommen würden? Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
- Warum wurde vom Hausrecht kein Gebrauch gemacht, nachdem Gäste antisemitisch und rassistisch beleidigt wurden – werden in Ihren Räumlichkeiten solche Beleidigungen geduldet?
- Warum wurde das Turnier weitergeführt, obwohl das gesamte Team von Tennis Borussia Berlin II und deren Anhänger_innen vor den gewalttätigen Neonazis flüchten mussten?
- Welche Rolle spielte der an diesem Tag anwesende Sicherheitsdienst?

Sehr geehrte Damen und Herren der Polizeidirektion Ost,
Sie waren am 27.12.2011 beim Hallenturnier in der Brandenburghalle vor Ort.
- Warum wurden entsprechende Hinweise auf die rechten, gewaltbereiten Anhänger des FFC Viktoria ignoriert? Wie erklären Sie, dass trotz dieser Hinweise im Vorfeld und der Erfahrungen aus vergangenen Fussballspielen nicht genügend Polizeikräfte vor Ort waren, um entsprechend verhindernd eingreifen zu können?
- Hatten Sie für diesen Abend ein entsprechendes Konzept, um Übergriffe auf die angereisten Fans des Tennis Borussia zu verhindern?
- Laut Ihrer Pressemeldung vom 28.12.2011 (http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=10867066) wurden Sie Zeugen von Straftaten der Frankfurter Neonazis. Kam es zu entsprechenden Ahndungen?

Sehr geehrte Damen und Herren des FFC Viktoria 91 e.V.,
offensichtlich sind immer noch ein Teil Ihrer Anhänger_innen gewaltbereite Neonazis, obwohl Sie in der Vergangenheit betonten, dass diese nicht als Fans Ihres Vereins betrachtet werden könnten. Nichtsdestotrotz treten diese immer wieder im Zusammenhang mit Fussballspielen Ihres Vereins negativ in Erscheinung.
- Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um dieser Gruppe in Zukunft keinen Raum mehr zu bieten?
- Warum zogen Sie aus dem Verhalten Ihrer „Fans“ an diesem Tag keine Konsequenzen und erwogen keinen vorzeitigen Ausstieg aus dem Turnier?
- Wir fordern Sie auf, sich umfassend und öffentlich bei dem Team und den Fans des Tennis Borussia Berlin II zu entschuldigen!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wilke,
angesichts der momentanen Situation weisen wir auf das neonazistische Potential in Ihrer Stadt hin. Verschiedene Gruppierungen verüben politisch rechts motivierte Straftaten gegen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen. Die Neonazis des FFC Viktoria sind eine davon. Auch ohne ein gefestigtes Weltbild haben sie rassistische und antisemitische Einstellung und verleihen diesen mit Gewalt Nachdruck. Was gedenken Sie als repräsentatives Stadtoberhaupt dagegen zu tun?

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