Utopia e.V. kritisiert Überlegungen zur Zusammenlegung von Asylsuchenden und Obdachlosen und fordert eine menschenwürdige Unterbringung für beide Gruppen

Die Beschlussvorlage der Verwaltung sowie die seit September laufende Diskussion zum geplanten Umzug der Bewohner_innen der Obdachlosenunterkunft „Die Klinke“ in Frankfurt (Oder) weist einige kritikwürdige Aspekte auf.

Laut Vorlage seien keine anderen Objekte in Frankfurt für die Unterbringung geeignet. Dies ist zu bezweifeln und suggeriert, dass Seefichten die einzige mögliche Unterbringung der Obdachlosen darstellt. Mit der Unterbringung in einem Teil des Asylbewerber_innenheimes würden die Obdachlosen von einem in das nächste unwürdige Gebäude ziehen. Wir fordern ein Überdenken des Vorschlags und die Stilllegung des Gebäudekomplexes „Seefichten“, verbunden mit einer dezentrale Unterbringung seiner bisherigen Bewohner_innen.

Aus dem Umzug nach Seefichten ergebe sich eine „erhebliche Steigerung der Lebensqualität.“. Hierbei wird vernachlässigt, dass die Unterbringung im Asylbewerber_innenheim schon für die jetzigen Bewohner_innen menschenunwürdig ist. Zusammengepfercht und ohne Privatsphäre, bieten die Gebäude An den Seefichten alles andere als eine Steigerung der Lebensqualität. Gemeinsame Dusch- und Kochmöglichkeiten tun ihr Übriges – von den auch dort bestehenden baulichen Mängeln ganz zu schweigen. Nur weil die Bewohner_innen der „Klinke“ obdachlos sind, heißt es nicht, dass sich diese Menschen im Laufe der Jahre im Umfeld des jetzigen Standortes nicht ein soziales Netzwerk aufgebaut haben. Diese Menschen nun des Geldes wegen einfach aus ihrem sozialen Umfeld zu reißen, ist mehr als menschenunfreundlich.
Eine weitere sog. soziale Randgruppe dorthin abzuschieben, ist nicht zu befürworten und zeugt von mangelnder Sensibilität für die Bedürfnisse sowohl der Asylsuchenden als auch der Obdachlosen. Diesen muss sozialpolitisch Rechnung getragen werden.

„Der Standort An den Seefichten ist ein Mischgebiet, so dass von einer Belastung der Umgebung – vergleichbar mit der jahrelangen Situation im eng bebauten Wohngebiet Lebuser Vorstadt – nicht ausgegangen wird.“ – diese euphemistische Formulierung kann nicht verstecken, dass ein Grund für den Umzug nach Seefichten die Lage weit ab vom Zentrum ist, um sich des Problems der Obdachlosen im Stadtgebiet zu entledigen. Die Standortwahl zeigt viel mehr eindeutig, dass sowohl die Asylsuchenden als auch die Obdachlose in unserer Stadt nicht als willkommene Mitbürger_innen angesehen werden.

Die in der Vorlage erwähnten Befürchtungen hinsichtlich der mangelhaften Anbindung von Seefichten an den öffentlichen Nahverkehr sowie des möglichen Konfliktpotential zwischen beiden in Seefichten unterzubringenden Personengruppen teilen wir. Die Verkehrsanbindung ist mangelhaft; das stellenweise diskriminierende Verhalten der Stadtverkehrsgesellschaft hinsichtlich der Obdachlosen hat somit zur Folge, dass diese kaum mehr die Möglichkeit haben, das Gebiet Seefichten zu verlassen. Neben des genannten Konfliktpotentials zwischen den Asylsuchenden und Obdachlosen ist auch zu beachten, dass viele der Asylbewerber_innen traumatisiert sind und eine weitere psychische Belastung durch den Zuzug von Menschen mit besonderen Belastungen nicht förderlich wäre.Alle genannten Punkte sollten reichen, um sich gegen einen Umzug der Bewohner der „Klinke“ in das Gebäude 3 des Asylbewerber_innenheims in Seefichten zu entscheiden.

Wir kommen nicht umhin zu kritisieren, dass das finanzielle Argument in der Beschlussvorlage um die Unterbringung der Obdachlosen das schwerwiegendste ist. Ein Abwägen zwischen den Bedürfnissen der Bewohner_innen der „Klinke“ sowie des Asylbewerber_innenheims und der Aufwendungen, die nötig sind, um das Gebäude am Kliestower Weg wieder instand zu setzen, wird deutlich zugunsten geringerer Kosten beim Umzug der Obdachlosen ausfallen. Hinzu kommt, dass das das Grundstück Kliestower Weg 20 lukrativ ist – ein Verkauf an einen privaten Investor würde der Stadt Einnahmen bescheren. Finanzielle Abwägungen sollten in der Debatte um die Unterbringung der Obdachlosen nicht im Vordergrund stehen.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email



[link rel="favicon.ico" href="http://utopiaffo.blogsport.de/images/favicon.ico"]