„Garage“ vor dem aus – Utopia e.V. bald ohne Vereinsräume?

In den letzten 5 Jahren haben wir als Utopia e.V. mit unserem Veranstaltungsraum, der „Garage“ in Frankfurt (Oder) einen selbstverwalteten Freiraum geschaffen, in dem Konzerte, Workshops, Bildungsveranstaltungen und Theatervorstellungen stattfinden konnten, in dem aber auch Besucher_innen dazu angeregt wurden, sich selbst einzubringen, auszuprobieren und mitzugestalten. Neben dem Veranstaltungsraum umfasst die „Garage“ ebenfalls Bandproberäume und einen Sportraum.

Ab Oktober dieses Jahres wird es die „Garage“ nicht mehr geben. Uns wurde gekündigt, da wir eine drastische Mieterhöhung sowie weitere Auflagen des Vermieters nicht mehr tragen können. Darüber hinaus ist der „Kontaktladen“, ein weiterer Teil unserer Vereinsräume, in dem wir uns organisieren und in dem die Beratungsarbeit für Geflüchtete und Betroffene rechter Gewalt stattfindet, durch eine Mieterhöhung akut bedroht. Damit erleben wir gerade die Kehrseite einer „Aufwertung“ von Stadtvierteln, die auch immer mit einer Verdrängung derjenigen einher geht, die diese nicht bezahlen können oder schlicht fehl am Platz scheinen.

Utopia e.V. – ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur in Frankfurt (Oder)

Utopia e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Seit Ende der 1990er Jahre engagieren wir uns in Frankfurt (Oder) in linker, antifaschistischer und emanzipatorischer Jugend-, Kultur-, Bildungs- und Beratungsarbeit. Unser Antrieb dabei ist, die gesellschaftlichen Verhältnisse von Ausgrenzung und Ausbeutung aufzuzeigen und zu überwinden.

Wir haben in den vergangenen 15 Jahren vieles aus eigener Kraft auf die Beine gestellt: In der „Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt“ (BOrG) beraten und unterstützen wir Betroffene. Außerdem gibt es ein eigenes Beratungsangebot für Geflüchtete, denen wir z.B. in ihrem Asylverfahren, bei Behördengängen oder anderen Fragen und Problemen beratend zur Seite stehen. Mit dem Gaukelzirkus „Tokarina“ besteht ein Angebot für junge Menschen mit Interesse an Jonglage, Akrobatik und Clownerie.

Wir bieten in unseren Vereinsräumen „Kontaktladen“ und „Garage“ die Möglichkeit, selbstbestimmt Projekte zu verschiedensten Themen zu realisieren, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und zu organisieren. Dabei handeln wir immer nach den Grundsätzen von Gleichheit, Freiheit und Gleichberechtigung.

Zudem haben sich viele Aktive dazu entschlossen auch gemeinsam zu leben und zu wohnen; ein Umstand, der vielen unserer Projekte zu Gute kommt. In unserer Arbeit sind wir mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteur_innen lokal und landesweit vernetzt.

Ohne Vereinsräume ist die Arbeitsgrundlage des Vereins massiv bedroht

Ohne die Arbeit von Utopia wäre es nicht gelungen, eine so breite Öffentlichkeit zu mobilisieren, die sich gemeinsam mit dem Bündnis „Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)“ zwei Neonazi-Demonstrationen in der Stadt erfolgreich in den Weg gestellt hat. Bildungsprojekte, wie z.B. der „Zug der Erinnerung“, gehen auf das Engagement des Vereins zurück. Geflüchtete und Betroffene von rechter Gewalt verlieren eine wichtige Anlaufstelle. Mit dem Aus der „Garage“ bricht für viele, insbesondere junge Menschen ein Ort weg, der eine wichtige und bezahlbare Alternative in der lokalen Kulturlandschaft zwischen klassischem Kulturangebot, anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen und kommerzieller Großraumdisko darstellt. Denn ein solcher Freiraum, an dem alternative Lebensentwürfe gelebt werden können und sollen, an dem menschenverachtendes Gedankengut nicht toleriert wird, existiert kein zweites Mal in Frankfurt (Oder).

Um unsere Arbeit fortzuführen, fordern wir einen selbstverwalteten Freiraum!

Wir werden weiterhin entschlossen für unsere Ideale und Ziele kämpfen: Für einen antifaschistischen Konsens in der Gesellschaft streiten, Rassismus und Menschenfeindlichkeit in jeder Form ächten, Teilhabe von Gleichgesinnten organisieren und alternative linke Lebensentwürfe stärken. Um diese selbstbestimmte, emanzipatorische und gleichberechtigte Arbeit weiterzuführen, brauchen wir einen nichtkommerziellen und sicheren Raum – einen linken Freiraum. Nur so können wir weiterhin als wichtiger Teil der Zivilgesellschaft aktiv sein und unsere Arbeit aufrechterhalten.

Denn Demokratie braucht Zivilgesellschaft und Frankfurt (Oder) braucht Utopia!

Weiter Infos dazu im Blog: „Für einen linken Freiraum*“

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